Johannes Ganzenmüller

RAW oder JPEG zum Fotografieren?

Veröffentlichungsdatum Lesezeit 5 Minuten zum Lesen

Bei vielen Kameras gibt es die Option die aufgenommenen Bilder als JPEG oder RAW-Dateien zu speichern. Weil das sehr verwirrend sein kann und viele nicht wissen, was das genau heißt, will ich dir das in diesem Artikel erklären und helfen, die für dich richtige Einstellung zu finden.

JPEG, oder auch JPG, ist dir vermutlich bereits ein Begriff, denn sehr viele Bilddateien sind in diesem Format und können von jedem Bildbetrachtungsprogramm oder auch vielen anderen Anwendungen wie z.B. Browsern angezeigt werden, weil es ein definierter Standard ist. Im JPEG-Format führt deine Kamera die eingestellten Bildanpassungen (z.B. Kontrast, Schärfe, Schwarz/Weiß) durch und liefert dir das fertige Ergebnis aus.

RAW-Dateien auf der anderen Seite haben keinen festen Standard und so ziemlich jeder Kamerahersteller hat seine eigene Dateiendung. Bei Nikon sind es beispielsweise .NEF-Dateien, bei Sony enden die Dateien mit .ARW, bei Canon sind es .CRW und Fuji speichert die RAW-Dateien im .RAF-Format. Auch entwickeln die Hersteller ihr eigenes Format ständig weiter, was dazu führt, dass die RAW-Dateien eines Herstellers unterschiedlich sind. Kannst du zum Beispiel RAW-Dateien einer Kamera mit einem Programm öffnen, so kann es sein, dass du RAW-Dateien aus einer neueren Kamera des gleichen Herstellers mit dem gleichen Programm nicht mehr öffnen kannst.

Grundsätzlich enthält eine RAW-Datei, die oft auch als digitales Negativ bezeichnet wird, das Bild in roher, unbearbeiteter Form. Ohne irgendwelche Anpassungen ist das Bild ziemlich unschön und es muss daher bearbeitet bzw. entwickelt werden. Die RAW-Dateien ignorieren sogar die Bearbeitungseinstellungen deiner Kamera, selbst wenn du “Aufnahme in Schwarz/Weiß” gewählt hast, sind im RAW alle Farbinformationen vorhanden, lediglich das integrierte Vorschaubild ist dann in Schwarz/Weiß.

Warum im RAW-Format fotografieren?

Ein entscheidender Vorteil von RAW-Dateien ist, dass in diesen deutlich mehr Bildinformationen enthalten sind. Das führt dazu, dass du in im Nachhinein beispielsweise Belichtungs- oder Farbkorrekturen in einem größeren Umfang durchführen kannst, als dass das bei JPEG-Dateien der Fall ist.

Belichtung korrigieren

Gerade bei unter- oder überbelichteten Bereichen im Bild enthalten RAW-Dateien noch Bildinformationen. Bei JPEGs wären diese Bereiche dann entweder komplett Schwarz oder komplett Weiß, du hättest keine Chance diese in der Nachbearbeitung zu retten.

Um das besser erklären zu können, hier ein Beispielfoto:

Unterbelichtetes Bild

Bei einem JPEG-Bild wären die schwarzen Bereiche einfach Schwarz, das Bild wäre somit ziemlich unbrauchbar, da auf ihm außer der Dunkelheit nicht viel anderes zu sehen ist.

Bei RAWs lässt sich im Nachhinein noch einiges an der Belichtung und Helligkeit drehen, sodass folgendes Bild dabei rauskommen könnte:

Aufgehelltes Bild

Ich denke hier kannst du gut sehen, dass Stellen, die davor Schwarz waren trotzdem noch Bildinformationen beinhalten und durch die Entwicklung des RAW-Bildes sichtbar gemacht werden können. Natürlich geht das nur in einem gewissen Rahmen und nicht wie in mancher Fernsehsendung, aber die Möglichkeiten sind doch recht groß. Mit einem JPEG-Bild wäre das definitiv nicht möglich.

Weißabgleich anpassen

Ein weiterer großer Vorteil ist die einfache Anpassung des Weißabgleichs. Im Normalfall nehmen Kameras und Smartphones Bilder mit automatischem Weißabgleich auf, das heißt, dass die Kamera die Farbtemperatur misst, um die Farben im Bild möglichst naturgetreu wiederzugeben. Für gewöhnlich funktioniert das sehr gut, aber gerade bei Dämmerung, im Schnee oder im Kunstlicht kann es öfter zu “Fehleinschätzungen” kommen und die Farben im Bild haben dann einen Stich.

Hier siehst du ein Bild, das ich mit automatischem Weißabgleich aufgenommen habe und bei dem die Kamera ziemlich daneben lag. Besonders der Weg und die Haut des Nashorns entsprechen nicht dem, wie es tatsächlich war.

Bild mit automatischem Weißabgleich

In einem RAW-Entwicklungsprogramm lässt sich der Weißabgleich danach leicht anpassen, sodass die Farben dann wieder realitätsnäher sind. Das Ganze kann anschließend beispielsweise wie in folgendem Bild aussehen, hier sind die Farben deutlich näher an der Wirklichkeit als im vorherigen Bild.

Bild mit manuellem Weißabgleich

Willst du den Weißabgleich übrigens nahezu perfekt hinbekommen, solltest du den manuellen Weißabgleich in deiner Kamera einstellen und eine sogenannte Graukarte verwenden. Durch den manuellen Weißabgleich haben alle Bilder der Serie die gleiche Farbstimmung, was bei der Bearbeitung hilft, und durch die Graukarte lässt sich die Farbtemperatur bestimmen. Sollte dich das interessieren, recherchiere am besten wie das genau gemacht wird, denn dabei gibt es noch einiges anderes zu beachten. Für mich persönlich reicht es, wenn die Farben “in etwa” stimmen.

Warum im JPEG-Format fotografieren?

Bei allen Vorteilen kommen RAW-Bilder aber auch mit einigen Nachteilen und das Fotografieren im JPEG-Format kann Sinn ergeben.

Die zusätzlichen Bildinformationen in den RAWs führen natürlich auch zu einer größeren Dateigröße und bei Bildermassen ist das nicht unerheblich. Eine RAW-Datei aus meiner Sony a6400 hat ca. 24 MB, die JPEG-Variante davon nur ca. 8 MB, also in etwa einem Drittel. Solltest du die RAWs daher nicht brauchen, kannst du etliches an Festplattenplatz sparen. Zwar ist Speicherplatz mittlerweile nicht sehr teuer, aber trotzdem kommt dadurch schnell einiges zusammen. Für den Fall, dass du Backups erstellst, was ich dir in jedem Fall dringend empfehle, multipliziert sich der Speicherplatz zudem entsprechend.

Aber auch in der Kamera hat die größere Datenmenge Auswirkungen, denn diese muss erst verarbeitet werden, bevor das Bild auf der Speicherkarte landet. Die Kamera ist aus diesem Grund in der Lage mehr Serienbilder, also Bilder pro Sekunde, im JPEG- als im RAW-Format zu erstellen.

Der, aus meiner Sicht, größte Vorteil von JPEGs ist, dass diese bereits eine sehr brauchbare “Standard-Bearbeitung” von der Kamera erhalten. Solltest du deine Bilder nicht nachbearbeiten wollen, oder handelt es sich um Schnappschüsse, kann das JPEG-Format eine gute Lösung sein, um die Bilder direkt zu verwenden und weitergeben zu können. Denn RAW-Dateien musst du in jedem Fall noch entwickeln, bevor du sie verwenden kannst. Was auch der Grund ist, warum ich immer so lange an meinen Bildern sitze :D

Fazit

Wie du siehst, hat beides seine Vor- und Nachteile und ob du in JPEG oder RAW fotografierst, ist letztendlich deine Entscheidung. Lass dich nicht von Leuten beeinflussen, die sagen man muss immer in RAW fotografieren, das ist genauso falsch, wie man immer im manuellen Modus fotografieren muss.

Mein Ansatz ist folgender:

Ich hoffe, ich konnte dir das Thema genauer erklären und würde mich über Feedback freuen. Lass mich auch gerne wissen, in welchem Format du fotografierst.