Ich überlege zur Zeit mein Kamerasystem zu aktualisieren und da ich ab und an von Freunden gefragt werde, auf was man beim Kamerakauf achten soll, dachte ich mir, es ist eine gute Idee mal alles herunterzuschreiben.

In dem Artikel will ich die grundsätzlichen Begriffe und Kriterien erklären, die du kennen solltest, wenn du mit dem Gedanken spielst dir eine Kamera zu kaufen oder deine Objektivsammlung zu erweitern.

Mir geht es in dem Artikel nicht darum, konkrete Kameras oder Objektive zu betrachten oder zu empfehlen, denn dann wäre der Artikel in ein paar Monaten veraltet oder zumindest nicht mehr vollständig. Stattdessen will ich dir erst einmal die Kriterien näher bringen, die schon seit etlichen Jahren gelten und die du für die tatsächliche Entscheidung verstehen haben solltest. Und wer weiß, eventuell widme ich mich konkreten Geräten in einem weiteren Artikel ;)

Begriffe und Kriterien bei Kameras

Action-, Kompakt-, Bridge-, Spiegelreflex oder spiegellose Systemkamera

Der Kameramarkt ist riesig und die Preisspanne ebenso, du solltest dir daher überlegen welcher Kameratyp für dich in Frage kommt. Auch muss man sagen, dass teure Kameras nicht automatisch bessere Bilder produzieren, ein Koch kocht auch nicht auf einmal besser, nur weil er eine teure Pfanne benutzt ;)

Weil Actionkameras doch weit verbreitet sind, will ich dazu kurz etwas schreiben: Ich sehe sie nicht als Ersatz für eine der anderen Kameratypen an. Sie haben zwar definitiv ihre Anwendungsfälle, gerade da sie sehr klein sind und entweder selbst wasserdicht oder leicht in ein Unterwassergehäuse gepackt werden können, eignen sie sich vor allem für Sport- oder Unterwasseraufnahmen. Aber würde ich eine Actioncam als Hauptkamera zu einem Städtetrip einpacken oder damit Landschaften fotografieren? Nein, da macht aus meiner Sicht das Smartphone einen besseren Job.

Mit Kompaktkameras hat vermutlich jeder schon mal fotografiert, werden aber immer öfter durch Smartphones ersetzt. Trotzdem kann es eine Alternative sein, wenn du etwas kleines, leichtes und einfaches suchst, was du beispielsweise in der Hosentasche mitnehmen kannst. Weiter gehe ich auf die Kategorie aber auch nicht ein, da es schon eine ziemliche Nische geworden ist.

Die nächstgrößere Kategorie sind Bridgekameras und zeichnen sich dadurch aus, dass sie ein fest verbautes Objektiv haben. Die Bildqualität von diesen ist oft deutlich besser als von Kompaktkameras und sie sind kompakter als Systemkameras, so dass sie ein Kompromiss darstellen und meistens preislich attraktiv sind. Gerade wenn du auf Objektivwechseln und die vielen Einstellungsmöglichkeiten keine Lust hast, sind Bridgekameras sicherlich eine Überlegung wert.

Spiegelreflex (kurz DSLR) und spiegellose Systemkameras (kurz DSLM) bieten die beste Bildqualität und die meisten Einstellungsmöglichkeiten, haben aber auch entsprechend ihre Komplexität und ihren Preis. Auch sind sie deutlich größer und schwerer als die zuvor genannten, so dass man sie nicht überallhin mitnehmen möchte. Persönlich fotografiere ich seit vielen Jahren mit einer Spiegelreflex und die Ausrüstung ist auf Reisen kein zu unterschätzendes Gewicht, denn Kamera und Objektiv kommen schnell auf 1,5 kg, die man ständig mit sich mitträgt. Falls man dann noch Wechselobjektive oder andere Ausrüstung dabei hat, summiert sich das schnell. Mal ganz abgesehen vom Platz die sie im Rucksack einnehmen.

Bei den beiden Systemarten geht der Trend seit Jahren zu spiegellosen Systemkameras, weil diese einige Vorteile (aber natürlich auch manche Nachteile) gegenüber digitalen Spiegelreflexkameras haben. Alles im Detail aufzuzählen, würde sicherlich den Rahmen des Artikels sprengen und ist jetzt auch nicht das Thema, daher nur das Fazit, dass ich zu einer DSLM raten und ich mich zukünftig auch dafür entscheiden würde ;)

Ökosystem

Jeder Kamerahersteller hat sein eigenes Ökosystem und je weiter das System verbreitet ist, desto wahrscheinlicher gibt es Zubehör und Objektive von Drittherstellern, die meist eine preiswerte Alternative bieten. Zudem gibt es dann natürlich auch mehr Auswahl ;)

Aber auch selbst wenn es keine Dritthersteller für die angedachte Kamera gibt, kann ein Ökosystem gut sein. Man sollte sich dessen nur bewusst sein und du solltest dir anschauen was es alles gibt, denn die beste Kamera bringt einem nichts, wenn es beispielsweise kein Objektiv für den gewünschten Anwendungszweck gibt oder dieses außerhalb des Budgets liegt.

Vollformat und APS-C

Es gibt zwar prinzipiell noch mehr Sensorgrößen bei Systemkameras, aber aus meiner Sicht spielen nur zwei Varianten eine Rolle: APS-C und Vollformat.

Vollformat-Kameras haben einen größeren Sensor, eben Vollformat, was ein paar Vorteile im Rauschverhalten und der Lichtstärke gegenüber APS-C bringt. Von der Bildqualität her gibt es aber kaum Unterschiede, beide Optionen sind top. APS-C ist etwas kleiner, wodurch die Kameras meistens etwas kompakter und leichter sind. Zudem sind diese meist auch billiger.

Wichtig ist auch zu wissen, dass APS-C Objektive speziell für diese gemacht sind und an Vollformatkameras nur mit einem Abstrich bei der Bildgröße verwendet werden können. Andersrum kann man jedoch Vollformat-Objektive problemlos an APS-C Kameras einsetzen, die sind dafür aber auch meist größer, schwerer und teurer.

Das Objektiv ist mindestens genauso wichtig

Was wichtig zu verstehen ist, ist das die Kamera und das Objektiv eine Einheit bilden und beides ähnlich wichtig ist. Es bringt nichts alles Geld in die Kamera zu stecken und dafür am Objektiv zu sparen. Wenn du schon eine gute Kamera besitzst, lohnt sich vielleicht eher die Anschaffung eines besseren Objektives anstatt einer neuen Kamera.

Im Normalfall werden Systemkameras entweder ohne Objektiv (nur das Gehäuse/Body) oder mit einem Objektiv als Kit verkauft. Die Kit-Objektive sind meist nicht die besten, aber reichen (mindestens) für den Start aus und sind im Paket oft billiger als beides einzeln. Es lohnt sich daher in beiden Fällen meistens. Entweder zum Start, falls man noch kein passendes Objektiv hat, oder weil man durch den Verkauf des Kit-Objektivs die Preisdifferenz reinbekommen kann.

Haptik

Unter Haptik versteht man wie sich etwas anfühlt. Da du gerade bei einer Spiegelreflex oder einer spiegellosen Systemkamera viele Einstellmöglichkeiten hast und oft irgendwelche Knöpfe drücken musst, ist es wichtig, dass diese gut in der Hand liegt und sich nicht komisch anfühlt. Ich empfehle dir daher, deine Wunschkamera(s) mindestens einmal in die Hand zu nehmen und zu schauen, ob die wichtigsten Knöpfe und Drehräder (zB Blende, Verschlusszeit, Aufnahmemodus) gut erreichbar sind. Unsere Hände und Finger sind eben alle unterschiedlich groß.

Die verschiedenen Menüs der Hersteller sind zwar auch immer wieder ein Thema, da denke ich aber, dass sich das mit etwas Übung erlernen lässt. Einen Knopf auf der Kamera umzusetzen ist hingegen schon schwieriger. Hat man das Gefühl, dass man die Kamera jeden Moment fallen lässt, weil man keinen Halt findet, ist das ziemlich ungünstig und macht dann auch keinen Spaß.

Größe, Gewicht und Preis

Eigentlich drei Punkte, die weiter vorne in der Überlegung stehen und zu denen man wenig sagen muss. Je größer und schwerer die Kamera, desto weniger möchte man sie überall mit hinnehmen oder steht vor einer Herausforderung, wenn man nur mit leichtem Handgepäck verreisen möchte.

Preislich ist es quasi nach oben hin offen. Da muss sich jeder überlegen, wie viel er für eine Kamera ausgeben möchte oder auch kann. Hier nochmal der Hinweis, dass bei einer Systemkamera die Kamera nur eine Komponente ist und gute Objektive ebenfalls teuer sind, manchmal sogar mehr als die Kamera.

Begriffe und Kriterien bei Objektiven

Kameraanschluss

Wie bei den Kameras erwähnt, hat jeder Kamerahersteller sein eigenes Ökosystem und daher musst du bei Objektiven darauf achten, dass die Objektive auch zum Anschluss der Kamera (Mount) passen. Ein Systemwechsel von einem Hersteller zum anderen oder auch ein Umstieg auf eine andere Kamera-Baureihe (zB DSLR zu DSLM) ist daher oft mit der Anschaffung von neuen Objektiven verknüpft und das geht echt ins Geld.

Zwar gibt es für manche Objektiv/Kamera-Kombinationen Adapter, so dass Objektive an eine Kamera angeschlossen werden können, die dafür eigentlich nicht gedacht war, aber das kommt meist mit Nachteilen, wie beispielsweise einem nicht mehr funktionierendem Autofokus oder Einschränkungen bei der Bildgröße, daher. Falls du aber schon ein paar Objektive hast, ist der Adaptermarkt zumindest ein Blick wert.

Festbrennweite oder Zoom-Objektiv?

Kurz zur Brennweite: Diese wird in mm gemessen und je kleiner der Wert, desto größer der Bildausschnitt. Bei Objektiven mit langer Brennweite (zB 400mm) kannst du weit entfernte Motive, wie beispielsweise wilde Tiere auf einer Safari, heranzoomen und trotzdem in sicherer Entfernung sein^^. Es ist daher wichtig zu wissen, was du fotografieren möchtest um zu entscheiden welchen Brennweitenbereich du benötigst.

Bei Festbrennweiten-Objektiven ist, wie der Name schon sagt, die Brennweite fest, was bedeutet, dass der Bildausschnitt nicht verändert werden kann und du somit nicht zoomen kannst. Hier musst du dich also bewegen und deine eigene Position ändern, wenn du den Ausschnitt verändern möchtest. Zoom-Objektive sind da praktischer, aber wie so oft hat alles seine Vor- und Nachteile.

Insgesamt kann man sagen, dass Festbrennweiten meist leichter, kleiner und günstiger sind. Zudem bieten sie oft auch eine bessere Bildqualität und sind lichtstärker, da sie eben genau für diese eine Brennweite gefertigt und optimiert sind. Du müsstest aber eine ganze Menge an Linsen mitschleppen und das Objektiv an der Kamera ständig wechseln, wenn du einen größeren Brennweitenbereich abdecken willst.

Auf Reisen nutze ich primär ein Zoomobjektiv mit einer Brennweite von 18-200mm, was einen sehr großen Bereich abdeckt und ein guter Allrounder ist. Die Bildqualität und Lichtstärke wäre mit spezielleren Objektiven aber sicherlich besser. Für einen anderen Anwendungsfall würde ich bestimmt eine andere Wahl treffen, daher ist es wichtig sich darüber Gedanken zu machen, was du hauptsächlich fotografieren willst. Als Faustformel würde ich sagen, je höher der Bereich ist, den ein Zoom-Objektiv abdeckt, desto mehr Kompromisse musst du bei Qualität, Größe oder Gewicht in Kauf nehmen.

Wirf zu dem Thema auch gerne einen Blick in den Artikel über Superzoom-Objektive.

Blende / Lichtstärke

Die Blende wird bei Objektiven immer mit F angegeben und je kleiner die Zahl, desto größer lässt sich die Verschlussblende öffnen, was wiederum dazu führt, dass mehr Licht auf den Sensor gelangt und man besser bei schlechten Lichtverhältnissen fotografieren kann. Bei Zoom-Objektiven ist F2.8 eigentlich das Optimum, Festbrennweiten gibt es dagegen auch mit Blenden darunter wie beispielsweise F1.8.

Aber auch wenn man hier eine möglichst kleine Zahl haben möchte, kommt das leider oft mit ungewollten Nebeneffekten, wie einem größeren Preis, höherem Gewicht und größeren Maßen ;)

Zoom-Objektive haben oft zwei Blendenwerte angegeben, bei meinem 18-200mm Reisezoom beispielsweise F3.5-5.6. Das bedeutet, dass am kleinen Ende (18mm) eine maximale Blendenöffnung von F3.5 ist und am längeren Ende (200mm) maximal mit F5.6 fotografiert werden kann. Die Verteilung dazwischen wird nicht angegeben und ist abhängig vom Objektiv, steigt aber entsprechend schrittweise an.

Wenn du ein Bild fotografieren möchtest, bei dem Teile verschwommen oder der Hintergrund unscharf ist, so benötigst du ein Objektiv mit einem kleinen Blendenwert. Gerade bei Portraits wird das häufig verwendet, in der Landschaftsfotografie hingegen nutzt man eher höhere Blendenwerte.

Sonstige Features (Bildstabilisator, Autofokusmotor, etc.)

Bei der Bezeichnung von Objektiven siehst du oft eine Vielzahl von Buchstaben oder Abkürzungen, die auch sehr wichtig sein können, denn dahinter verbergen sich Funktionalitäten, die beispielsweise fehlende Funktionen der Kamera ausgleichen können.

Einige Objektive haben beispielsweise einen eingebauten Bildstabilisator, gerade wenn die Kamera selbst über keinen eigenen verfügt, lassen sich damit schärfere Bilder schießen, was besonders dann wichtig ist, wenn du ein Objekt aus größerer Entfernung oder in nicht so guten Lichtverhältnissen fotografierst. Falls du zudem auf die Videofunktionen viel wert legst, dann ist ein Bildstabilisator aus meiner Sicht ein Muss, optimalerweise sollte der aber dann bereits in der Kamera vorhanden sein.

Es ist in jedem Fall ratsam zu schauen, welche Funktionen das Objektiv bietet und wie es mit der Kamera zusammen passt. Beispielsweise hat mein 50mm Objektiv keinen eingebauten Autofokusmotor, für mich ist das nicht schlimm, denn meine Kamera hat einen eingebaut. Kleinere Baureihen haben diesen jedoch nicht, wodurch man in dem Fall nur manuell fokussieren könnte.

Größe, Gewicht und Preis

Größe und Gewicht ist bei Objektiven auch ein Thema, zum einen weil du es entweder zusammen mit der Kamera immer herumschleppen musst, oder wenn es sich um ein Zweit-/Wechselobjektiv handelt, du eventuell doch geneigt bist, es nicht daheim zu lassen.

Preislich ist es bei Objektiven, ähnlich wie mit Kameras, nach oben hin ist es offen. Gerade wenn du nicht auf Dritthersteller zugreifen kannst, sind Objektive teuer. Aber auch bei Objektiven von Drittherstellern will ich nicht von günstig reden, klar kosten die manchmal fast die Hälfte, aber am Ende sind 500 - 700 Euro trotzdem noch eine Stange Geld, bei der sich die meisten Gedanken machen, ob es gut angelegt ist. Dabei solltest du nicht vergessen, dass der Preisunterschied auch seine Gründe hat und dieser nicht vorwiegend durch den Markenname kommt. Je nach Anwendungsfall kann es daher sinnvoll sein etwas länger zu sparen und dir dann doch das teurere Objektiv zu holen, das dann besser zu dir und deinen Anwendungsfällen passt und entsprechend mehr Spaß macht.

Fazit

An der Länge des Artikels siehst du schon, dass es prinzipiell viel zu beachten und es auch nicht die eine Lösung gibt, die für jeden passend ist. Ich hoffe trotzdem dem ein oder anderen bei seiner Entscheidung weitergeholfen zu haben und würde mich über Kommentare und Feedback freuen.