Johannes Ganzenmüller

Was ist der beste RAW-Konverter?

Veröffentlichungsdatum Lesezeit 10 Minuten zum Lesen

Die Suche nach dem besten RAW-Konverter war nicht einfach und hat mich etliche Stunden gekostet. Zwar würde ich prinzipiell jedem empfehlen, auch alle möglichen Programme auszuprobieren um festzustellen, was einem zusagt und was nicht. Kann aber durchaus verstehen, wenn du das nicht machen willst und nach einer Abkürzung in Form von Erfahrungsberichten und Empfehlungen suchst.

In dem Fall bist du bei diesem Artikel genau richtig, denn ich will hier nochmal meine Erkenntnisse und Erfahrungen aus den letzten Blogartikeln zusammenfassen und zum Schluss meine Empfehlungen aus Sicht eines Hobbyfotografen geben. Würde dir jedoch trotzdem empfehlen, das ein oder andere Program selbst zu testen. Es müssen ja nicht gleich 6 sein ;)

In folgenden Artikeln findest du mehr Details zu den Programmen im Test:

Ethik-Hinweis: Ich habe alle Programme aus Eigeninteresse getestet und die genannten Punkte entsprechen meiner eigenen Meinung und Erfahrung. Ich habe für den Test keine Gegenleistung irgendeines Herstellers bekommen.

RAW-Konvertierung

Ein RAW-Konverter ist in der Linie dafür da die digitalen Negative zu entwickeln und anschließend in Bildformate umzuwandeln, die sich einfacher teilen lassen. Daher will ich auch erst auf diesen Bereich eingehen.

Bedienung

Auch wenn es die Hersteller vermutlich nicht gerne hören, so fand ich, dass sich die Programme sehr ähnlich bedienen lassen und sich bei einigen Punkten lediglich über die Bezeichnungen und Kategorisierungen unterscheiden.

Darktable und Luminar stellen für mich dabei jedoch eine Besonderheit dar. Darktable beinhaltet unzählige Einstellungen und bietet daher sehr viele Möglichkeiten, die von der Darstellung her auch sehr komplex wirken. Ohne tieferes technisches Verständnis oder intensive Einarbeitung sehe ich nicht, wie man in dem Programm zurechtkommen soll.

Luminar ist das genaue Gegenteil davon und reduziert vieles auf einfache Schieberegler. Du aktivierst in den meisten Fällen nur eine Einstellung und sagst wie stark der entsprechende Effekt angewandt werden soll, der Rest macht die vom Hersteller viel beworbene Künstliche Intelligenz. Mit wenigen Klicks lässt sich dadurch ein ansehliches Bild gestalten, wobei das Risiko hoch ist, es mit der Bearbeitung bzw. Bildmanipulation auch mal zu übertreiben. Geschmäcker sind jedoch verschieden und daher muss jeder selbst entscheiden, ob ihm ein solches Bild gefällt oder nicht.

Performance

Beim Thema Performance lagen die meisten Programme dicht zusammen und auch wenn mein Computer nicht die aktuellste Hardware besitzt (Intel i5-6500 Prozessor (4x 3.2GHz), 8 GB RAM, SSD-Festplatte) ging die Entwicklung eines RAW-Bildes angenehm flott vonstatten. Negative Ausnahme ist hier jedoch Luminar, bei dem ich ziemlich lange Wartezeiten hatte und es dadurch als RAW-Konverter der Wahl für mich rausgefallen ist. In der Kategorie hat sich CaptureOne am besten geschlagen, denn dort habe ich so gut wie keine Wartezeiten gemerkt.

Funktionsumfang

Der Funktionsumfang und die Sonderleistungen sind vermutlich der Punkt in dem sich die Programme am meisten unterscheiden und der am schlechtesten allgemein zu bewerten ist, denn jeder wird hier andere Anforderungen haben.

Luminar, ACDSee Photo Studio und die kostenpflichtigen CaptureOne-Versionen bieten jeweils einfache Bildbearbeitungs- und Retuschefunktionen an, mit denen sich kleinere Objekte oder Hautunreinheiten aus dem Bild entfernen lassen können. Das Adobe Lightroom Abo, liefert mit Adobe Photoshop ein sehr starkes Bildbearbeitungsprogramm, mit dem auch komplexere Bildbearbeitungen möglich sind.

ACDSee Photo Studio richtet sich primär an Windows-User, zwar gibt es auch eine Version für Mac, aber diese wird auf der Homepage als eigenes Produkt gelistet und weicht daher sehr wahrscheinlich von der mir angeschauten Ultimate-Variante ab. Genau kann ich das jedoch nicht sagen, da ich beide nicht verglichen habe.

Adobe Lightroom bietet als einziges Programm eine iPad App an, solltest du also auf mehreren Geräten gleichzeitig oder primär auf dem Tablet arbeiten wollen, wäre das vermutlich die erste Wahl. Dabei handelt es sich dann jedoch um Lightroom CC und nicht um Lightroom Classic, welches über einen anderen Umfang verfügt und von meinem Test abweicht.

Bei CaptureOne hängt der Funktionsumfang stark von der gewählten Variante ab, denn die kostenlose Express-Variante besitzt einige Einschränkungen, ebenso wie die Kamera-spezifischen Varianten nur die Bearbeitung von RAW-Dateien eines einzigen Kamera-Herstellers erlauben.

Du siehst jedes Programm kommt mit seinen ganz eigenen Vor- und Nachteilen, weswegen es schwer ist eine allgemeine Aussage zu treffen. Zum Glück gibt es aber auch noch den Kostenpunkt und da unterscheiden sich die Programme ebenso stark.

Kosten

Die Preispanne der Produkte war ziemlich groß, neben kostenlosen Anwendungen, habe ich mir auch welche für mehrere hundert Euro angeschaut. Dabei gibt es aber auch ganz grundsätzliche Unterschiede in den Preismodellen der Programme.

Abo / Mietversion

Beim Abomodell, bezahlst du monatlich einen festen Betrag und kannst die Software so lange nutzen, bis du das Abo kündigst. Ich denke, das Modell kennt jeder von diversen Streaminganbietern.

Wie auch beim Streaming wirst du während der Laufzeit regelmäßig mit Neuerungen versorgt und besitzt damit immer die aktuellste Version des Programmes. Bei RAW-Konvertern sind das beispielsweise neue Bildbearbeitungsfunktionen, Verbesserungen an der Bedienung und die Unterstützung von neuen Kameramodellen.

Solltest du irgendwann beschließen das Abo zu kündigen, kannst du das Programm nicht mehr verwenden. Da RAW-Konverter die Bearbeitungsinformationen meist in einem eigenen Dateiformat oder einer Datenbank speichern, geht dir somit auch der Zugriff darauf verloren und du solltest in jedem Fall davor die Bilder als JPGs exportiert haben.

Kaufversion

Das Gegenteil zum Mieten einer Software ist der Kauf. Hier bezahlst du einmalig einen Betrag und im Anschluss gehört dir die gekaufte Version, sodass du diese unbegrenzt lange verwenden kannst.

Der wichtigste Punkt, den es hier zu verstehen gilt, ist, dass du eben genau diese Version kaufst und für eben diese gegebenenfalls noch kleinere Aktualisierungen oder Verbesserungen bekommst. Falls eine neue Hauptversion erscheint, hast du keinen Anspruch darauf. Kannst in den meisten Fällen aber für einen Vorzugspreis auf die neue Version aktualisieren.

Von den meisten RAW-Konvertern, die ich mir angeschaut habe, ist in den letzten Jahren übrigens jeweils jährlich eine neue Hauptversion erschienen. Solltest du also immer die top aktuellste Version des Programmes haben wollen, hättest du daher jährlich bezahlen müssen.

Ich denke, dass Lizenzmodell wird auch jeder von anderer Software kennen. Beispielsweise von Sportsimulationen, von denen auch jedes Jahr eine neue Version herauskommt und du dann vor der Wahl stehst, ob die Neuerungen es wert sind nochmal in den Geldbeutel zu greifen oder die bisherige Version “gut genug” ist und du eventuell auf die nächste Version wartest.

Mieten oder Kaufen?

Welches Lizenzmodell für dich am meisten Sinn ergibt, kann ich dir nicht beantworten, kann jedoch für mich sagen, dass ich eine Kaufversion einem Abo vorziehe und das hat vor allem folgende Gründe:

Vergleich der Kosten

In folgendem Diagramm habe ich die Kosten der kostenpflichtigen Programme über einen Zeitraum von 24 Monaten dargestellt. Die kostenlosen Programme Darktable und CaptureOne Express Sony (bzw. Fuji) fehlen, wären aber natürlich eine durchgängige Linie auf der 0 Euro-Markierung ;)

Zudem fehlt Affinity Photo, da ich das zwar als gutes Programm ansehe aber eben nicht als RAW-Konverter. Mehr dazu findest du im Artikel über Affinity Photo.

Ebenfalls nehme ich bei dem Diagram an, dass du bei der gekauften Version für den Zeitraum bleibst und nicht kostenpflichtig aktualisierst, sobald eine neue Version davon erscheint.

Kostenvergleich der RAW-Konverter im Test (Stand 20.Februar 2021)

Wie schon im Artikel über CaptureOne erwähnt, halte ich die Mietversion von CaptureOne Pro für Hobbyfotografen als zu teuer und auch die Miete von “CaptureOne for Sony” ist fragwürdig, gerade wenn du es nicht jeden Monat verwendest, ist es schon eine relativ hohe Ausgabe.

Bei einigen Programmen gibt es die Version entweder zu kaufen oder zu Mieten und bei denen kannst du im Diagramm ganz gut sehen, ab wann sich die Kaufversion kostenmäßig lohnt. Bei CaptureOne for Sony und ACDSee Ultimate kreuzen sich die Linien bei ca. 12,5 Monaten und bei CaptureOne Pro etwa im 14. Monat. Willst du immer die aktuellste Version haben, fährst du mit dem Abo günstiger. Solltest du jedoch einmal eine Version auslassen oder reicht es dir sogar bei der gekauften Version zu bleiben, bietet sich der Kauf an.

Fazit

Ein abschließendes Fazit beim RAW-Konverter-Test zu ziehen ist gar nicht so einfach, da sich die Programme im Umfang und den Kosten schon sehr stark unterscheiden und es daher auf den Anwendungsfall und die Anforderungen ankommt. Generell lassen sich aber mit jedem Programm gute Ergebnisse erzielen.

Solltest du zudem von einem Programm auf ein anderes Umsteigen wollen, oder gar mehrere gleichzeitig einsetzen wollen, so gibt es außerdem noch einige Dinge zu beachten und davor eventuelle Migrationsschritte durchzuführen. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass im Normalfall die Bildbewertungen und die Farblabels zwischen den Programmen übernommen werden können, die Bildbearbeitungsinformationen jedoch nicht.

Empfehlung für Sparfüchse

Solltest du kein Geld ausgeben wollen und eine Kamera von Sony oder Fuji besitzen würde ich dir CaptureOne Express nahe legen. Ich fand die Bedienung sehr intuitiv und der Umfang ist mehr als ausreichend um RAW-Bilder zu entwickeln.

Sicherlich ist die Version dafür gedacht, damit die Nutzer irgendwann einmal auf die kostenpflichtigen Versionen umzusteigen, aber das musst du ja nicht und wenn doch, dann weißt du was du bekommst.

Empfehlung für Ungeduldige

Solltest du kein großes Interesse haben, dich tiefergehend mit der Bildbearbeitung zu beschäftigen und es immer sehr schnell gehen muss, würde ich dir zu Luminar von Skylum raten. Jedoch nur, wenn du einen aktuellen, leistungsstarken PC besitzt.

Luminar nimmt dir sehr viel ab und mit wenigen Klicks kannst du einiges aus den Rohdaten des Fotos holen. Sogar so viel, dass du vom Ausgangsmaterial kaum noch etwas erkennst, was man natürlich mögen muss, aber Geschmäcker sind bekanntlich verschieden ;)

Meine Wahl

Nach etlichen Überlegungen habe ich mich für eine Kombination aus CaptureOne for Sony und Affinity Photo entschieden, setze das seit etlichen Wochen ein und bin sehr zufrieden mit beiden Programmen.

Der einzige Wermutstropfen den ich habe, ist dass ich meine bisherigen Bilder damit nicht nochmal bearbeiten kann, weil ich diese mit einer Nikon-Kamera aufgenommen habe. Da ich aber alle alten Bilder schon bearbeitet und dafür schließlich meine “Uralt-Software” weiternutzen kann, ist es für mich ok und die Möglichkeit war mir der hohe Preisunterschied zwischen der “for Sony” und der “Pro”-Variante nicht wert.

Dazu muss ich sagen, dass CaptureOne Mitte Januar 2021 die Preise stark erhöht hat und ich noch davor zuschlagen konnte, wodurch ich etwa 85 Euro gespart habe. Preislich lagen damals zwischen der “For Sony” und der “Pro”-Variante etwa 200 Euro, also mehr als die “for Sony”-Version gekostet hat. Klar wäre es schön die Möglichkeit zu haben, irgendwann nochmal die alten Bilder zu bearbeiten, aber nicht für den Preis.

Auch bei Affinity Photo habe ich mit dem Preis Glück gehabt und ein Schnäppchen gelandet. Denn um die, durch die Corona-Pandemie angeschlagene Kreativszene zu unterstützen, hat der Hersteller seine Software mit 50% Rabatt verkauft, und für 27,99€ musste ich nicht lange überlegen ;)

Ich hoffe, die Blogserie hat dir geholfen einen besseren Überblick über die vorgestellten RAW-Konverter zu bekommen. Lass mich gerne in den Kommentaren wissen was dein Favorit unter den Programmen ist und was du daran so magst.