Johannes Ganzenmüller

Adobe Lightroom, der Platzhirsch unter den RAW-Konvertern

Veröffentlichungsdatum Lesezeit 5 Minuten zum Lesen

Wenn du nach einem RAW-Konverter suchst, wirst du schnell auf Adobe Lightroom stoßen, denn das Programm wird von vielen, wenn nicht sogar den meisten Profi- und Hobbyfotografen eingesetzt. Bei meiner Umfrage in der Fotografie-Facebook-Gruppe war Lightroom ebenfalls die Nummer 1 und damit die vermeintlich offensichtlichste Wahl für die Entwicklung von RAW-Dateien.

Weil Lightroom so verbreitet ist, wirst du dafür sehr viele Tipps & Tricks, Anleitungen oder auch kommerzielle Angebote, wie Presets (=Vorlagen oder auch Filter) finden. Gerade wenn du viel auf Youtube oder Instagram unterwegs bist, hast du sicher schon auf den ein oder anderen Influencer gesehen, der dort seine Presets bewirbt.

Was Adobe Lightroom kann und wie es sich aus meiner Sicht im Vergleich zu den anderen Programmen schlägt, verrate ich dir in diesem Artikel.

Ethik-Hinweis: Ich habe das Programm aus Eigeninteresse getestet und die nachfolgenden Punkte entsprechen meiner eigenen Meinung und Erfahrung. Ich habe keine Geschäftsbeziehung zum Hersteller, noch habe ich irgendeine Gegenleistung bekommen.

Varianten und Preis

Kommen wir zu Beginn gleich mal auf den am stärksten kritisierten Punkt zu sprechen: Adobe Lightroom gibt es nur als Mietversion, sodass du monatlich dafür bezahlen musst, dafür natürlich aber auch laufend mit Updates und neuen Features versorgt wirst.

Bis 2017 gab es zwar eine Kaufversion, diese wurde aber eingestellt, da Adobe beschlossen hat seine Produkte nur noch im Abomodell anzubieten. Neben Lightroom hat das auch viele andere Programme betroffen, die seit dem ausschließlich über die sogenannte Adobe Creative Cloud, kurz CC, bezogen werden können.

Beim Abo kannst du aktuell zwischen drei verschiedenen Varianten wählen:

Zusätzlich gibt es für alle Varianten Prepaid-Karten zu kaufen, die öfter mal im Angebot sind und wodurch das Jahresabo dann entsprechend günstiger wird. Beim Black Friday 2020 gab es beispielsweise die Jahresgebühr für die Kombination aus Lightroom, Photoshop und 20 GB Cloud-Speicher, was vermutlich die populärste Variante ist, für 90-100€.

Der Cloud-Speicher ist übrigens dafür da, um dort deine Bilder zu speichern, sodass diese von verschiedenen Geräten aufruf- und bearbeitbar sind. Gerade, wenn du zwischen Computer und Tablet hin und her wechselst ist das nützlich. Hast du mehr Bilder als die 20 GB bzw. 1 TB, musst du entscheiden, welche Bilder dort liegen sollen. Der Rest liegt dann ausschließlich auf dem Speicher deines Gerätes.

Es ist außerdem wichtig zu wissen, dass es zwei unterschiedliche Versionen von Lightroom gibt: Lightroom und Lightroom Classic. Im Abo sind übrigens beide enthalten, du musst “nur” entscheiden welche Version du verwenden willst, die Unterschiede findest du auf der Herstellerseite. Meine Zusammenfassung der Unterschiede lautet, dass Lightroom dafür da ist auf mehreren unterschiedlichen Geräten (z.B. Computer, Tablet, Smartphone) zu arbeiten und die Daten in der Cloud speichert, Lightroom Classic hingegen ist nur für den Desktop-Computer ausgelegt, besitzt dafür aber mehr Funktionen.

Weil ich meine Bilder nur auf dem Desktop-Computer bearbeite, habe ich mir für diesen Artikel Adobe Lightroom Classic angeschaut. Also, auch wenn ich im nachfolgenden Teil, der Einfachheit wegen, nur “Lightroom” schreibe, meine ich in Wirklichkeit “Lightroom Classic”.

Erster Eindruck

Adobe Lightroom lässt sich 7 Tage kostenlos testen, aber Achtung, denn wenn du nicht kündigst, landest du direkt im Abo! Abgesehen davon gibt es bei der Installation nur zu beachten, ob du Lightroom oder Lightroom Classic installieren willst.

Bildverwaltung in Lightroom

Die Oberfläche von Lightroom ist für mich sehr vertraut, zum einen habe ich ja selbst jahrelang mit Adobe-Produkten gearbeitet und zum anderen ist es jetzt der Dritte RAW-Konverter, den ich mir innerhalb von kurzer Zeit im Detail anschaue ;)

Beim Import der Bilder wurden die Bewertungen und auch die Bearbeitungsinformationen aus meinem alten “Adobe Camera RAW”-Programm korrekt importiert. Das die Bearbeitungen erhalten bleiben ist sicherlich ein großer Plus-Punkt für Lightroom und liegt daran, dass beide Programme von Adobe kommen. Alle anderen RAW-Konverter in meinem Test haben nur die Bewertungen und andere Meta-Daten importiert, nicht aber die Bildbearbeitungen.

Im Gegensatz zu den anderen Programmen haben jedoch die Farblabels an den Bildern gefehlt. Hier habe ich nicht weiter recherchiert, gehe jedoch davon aus, dass sich das Problem recht einfach lösen lässt. Eventuell müsste ich die Bezeichnung der Labels noch anpassen, bevor ich die Bilder importiere, denn leider gibt es für diese keinen einheitlichen Standard.

Die Bildverwaltung bzw. -übersicht lässt sich einfach anpassen und auch eine Filmstreifen-Ansicht zur schnellen Beurteilung von Bildern ist vorhanden.

RAW-Entwicklung

Die Entwicklung eines RAW-Bildes ist sehr geradlinig. Wie Eingangs erwähnt gibt es eine Vielzahl von Vorlagen (Presets) für Lightroom, mit denen der Look des Bildes schnell angepasst werden kann. Die Vorschau dazu wird recht flüssig angezeigt und so fand ich es ziemlich einfach zu wählen, ob denn eine solche Voreinstellung angewandt werden soll oder eben nicht.

RAW-Entwicklung in Lightroom

Auf der rechten Seite befinden sich dann alle Entwicklungsoptionen, die mir auch schon aus Camera RAW und den anderen Programmen bekannt sind. Natürlich gibt es bei der Bezeichnung und Funktionsweise immer einige Unterschiede, grundsätzlich habe ich mich aber schnell zurechtgefunden und fand alles einfach zu bedienen.

Das Ergebnis einer Bearbeitungs-Aktion wird schnell angezeigt, die einzelnen Blöcke lassen sich an- und ausschalten oder einzelne Schritte rückgängig machen. Persönlich habe ich daher keine Funktion vermisst, jedoch musste mein Mauszeiger häufig zwischen den Einstellungen hin und her springen.

Vorher-Nachher-Ansicht

Was mir sehr gefällt, ist die Möglichkeit sich eine Vorher-Nachher-Ansicht anzeigen zu lassen, sodass das Ergebnis der RAW-Entwicklung deutlich sichtbar wird.

Bildmanipulation

Kleinere Bildmanipulationen, wie das Entfernen von Hautunreinheiten oder kleinen, störenden Gegenständen lassen sich einfach in Lightroom umsetzen. Wenn es um größere Anpassungen bzw. Bildbereiche geht, wie beispielsweise die Entfernung des Krans auf dem oberen Bild, solltest du zu Adobe Photoshop wechseln, das ja ebenfalls im Abo enthalten ist.

Was die Bildbearbeitung und -manipulation angeht, hast du mit dem Abo von Adobe in jedem Fall sehr viele Möglichkeiten. Ich würde sogar sagen, das sind die einzigen beiden Programme, die du für eine ganzheitliche Bildbearbeitung benötigst.

Fazit

Wenig überraschend ist Adobe Lightroom ein exzellentes Programm für die RAW-Entwicklung und zusammen mit Photoshop bleiben keine Wünsche offen. Natürlich mit der Ausnahme, das es beides nur im Abo gibt.

Ein großes Plus ist für mich, dass die Bearbeitungsinformationen meiner bisherigen Bilder aus Adobe Bridge & Camera RAW übernommen werden können, sodass ich diese problemlos in der Lightroom nochmal anpassen könnte, wenn ich mir diese nochmal vornehmen möchte.